Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Nach dem Urlaub:
Ich bewege mich, ich habe wahrhaftig Zukunftspläne und weitere Termine.
Ich habe immer noch keine Ahnung, ob das funktioniert, aber ich probiere ein Weiterleben.


Ich habe mir eine Ovation-Gitarre  gekauft. 
Schwachsinn, aber war immer mein Traum. Und wann, wenn nicht jetzt.


Und jetzt habe ich mich entschieden, mir Tattoos stechen zu lassen.
Auch als 60-jähriger, krebsgeschädigter Opa darf ich das.


Ich darf eh alles. 
Sogar überleben.

 

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
Spontan haben wir die Kurzzeitpflege für Claudias Mutter erneut angemeldet und dann nach nem Internetmarathon nochmal ne Woche Urlaub Ende August gebucht.

 

Ich habe selbst einem Treffen meines Abi Jahrgangs zum 40jährigen zugesagt. (ICH! Bei einem Klassentreffen!)
Ich werde den Teufel tun und meine Schulzeit a la Feuerzangenbowle zu glorifizieren. Aber ich bin altersmilde genug, um mich an schöne Zeiten zu erinnern und ich bin wirklich auf einige Leidensgenoss*innen und Klassenkolleg*innen neugierig.

 

Ich alter Punk höre jetzt Jazz. 
Tauche gerade in „Kind of Blue” von Miles Davies ein und schwebe dazu.

Wenn ich auch bei Operettenmusik oder Mallorca-Schlagern tolerant werden sollte, erschießt mich!
Bitte sofort!

 

Täglich hänge ich mindestens vier Stunden lang an meiner Sondenkost. So viel und so lange, wie ich es ertragen kann.

Ich nehme äußerst langsam zu, aber es wird.

Meine Speiseröhre ist mit zähem Schleim zugeklebt. Kleister, flüssiger Klebestoff. Eben die Sondenkost, die teilweise wieder hochsteigt. Und ich schaffe es nicht, ordentlich abzuhusten. Es tut schweineweh, brennt und löst Atemnot und Aspiration aus.

Aber mein Leben lang wird es keine Alternative dazu geben: Orale Ernährung ist nicht mehr, wird nie wieder was…

 

Natürlich lähmt und deprimiert dieser Scheiß. Eigentlich will ich nicht mehr.

Eine neue Gitarre, Tattoos, eine weitere Woche in Zeeland und all so was sind meine neuen Medikamente gegen den Frust.
Die Schmerzmittel und Antidepressiva habe ich reduziert.

 

Wenn möglich bewege ich mich, mache einen Hundegang mit oder gehe mal mit einkaufen.
Da war der Urlaub Auslöser und hat mich weit nach vorne gepuscht.

Und nach dem Urlaub ist eben vor dem Urlaub!

 

 

Ich habe mich von fast allem zurückgezogen.
Dieser Blog, Facebook, Kontakte zu Freund*innen – alles wird weniger.

Ich habe eben keinen Bock, immer das gleiche zu berichten.
Und da gibt es wenig Neues.

 

Meine Frau Claudia gibt mir Kraft, Wärme und Liebe.
Die Entscheidung, zu heiraten war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ohne sie wäre ich nicht mehr.
Unsere Hündin Nora ist einfach nur klasse und wir sind eine eng zusammengehörige Familie geworden. Nora ist eine wunderbare Demenzbegleithündin für die Schwiegermutter. Ich möchte sie keinen Tag missen.

 

Freund*innen und Familie geben Halt. Poesie und Musik sind das Salz des Lebens. Und ohne Salz würde fast alles schal schmecken.

 

Ich weiß, ich wiederhole mich. Egal.

 

 

Zum Abschluss für heute kurze Musiklaberei:

Das Highlight an Peinlichkeiten lieferten Guns N Roses beim Glastonbury-Festival: Axl Rose ist eine Karikatur seiner selbst geworden. Schade für den Rest der Band.

Elton John dagegen hat mich umgehauen. Wow! Was für ein Konzert!
Selbst Cat Stevens / Yussuf konnte überzeugen.

 

Vor dem Bildschirm sind solche Riesenevents okay, live kann ich alter, kranker Mann mir das nicht mehr reinziehen. 

 

Aktuell begeistert mich auf Vinyl Grian Chatten:

Das Solo-Album des Fountains D.C. Sängers haut mich um.
Wunderschön!

 

Und ich warte weiterhin auf die Neuerscheinungen von The Cure und Peter Gabriel. 
Und vielleicht die Stones.

 

 

Mein Stapel ungelesener Bücher wächst.
Ich schaffe es momentan einfach nicht, mich zu begeistern.
Konzentrationsschwierigkeiten, Schmerzen und all der Mist. Streaming ist da einfacher, wenn auch selten wirklich begeisternd.

 

 

Das alles, um mich mal endlich wieder gemeldet zu haben.

Es sollte mehr sein, es sollte poetischer sein.

Es geht im Moment nicht…

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