Nächster wirrer Krebspost

 

Nächster wirrer Krebsfrontpost

 

 

 

Es geht ja weiter.
Und fängt an. Und es passiert was.
Muss ja was passieren.

 

Gestern wurde die weitere Therapie besprochen. Ich habe n Marathon vor mir:
Nächste Woche PEG und Port legen lassen, also kurzfristig stationär im Krankenhaus. Dann noch n MRT, noch n CT, heute war Vorstellung in der Onkologie.
Ab 24.05. dann täglich (!) Bestrahlung und/oder Chemo. ca. 7 Wochen lang.

 

Was dann wie anschlägt werden wir sehen.
Immerhin: Die Docs sprachen von möglicher Heilung.
Und gaben uns Hoffnung.

 

Man kann es auch positiv sehen:

 

Vielleicht bin ich doch noch nicht im Endspurt.
Wäre ja geil.

 

 

 

Es tut weh, es wird weh tun. Krankheit ist scheiße.
Krebs ist zusätzlich fast immer ne Achterbahnfahrt zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

 

Momentan fühle ich mich allerdings einfach nur schlapp.
Bin platt und habe keinen Bock und keine Kraft mehr.

 

Irgendwie lasse ich jetzt alles über mich ergehen, kämpfe aber gefühlt selbst nicht mehr gegen den Krebs.

 

„Hey, du Arsch! Setz dich, nimm dir n Keks! Meinen Mittelfinger haste ja schon bekommen. Da ich dich wohl nicht loswerde, kannste es dir auch gemütlich machen…“

 

Oder so.
Oder doch wieder anders.

 

 

 

Ehrlich gesagt blicke ich es fast nicht mehr.
Zig Arzttermine, Besprechungen, Untersuchungen, dann immer wieder ne neue Überweisung und ein tierischer Haufen von Kram.
So ist das wohl am Anfang einer intensiven Therapie.

 

Es soll jetzt schnell gehen und das ist gut so. Und ich fühle mich auch gut betreut.

 

Ich mag Ärzt*innen, die nicht nur in den Computer tippen, sondern direkt mit mir sprechen. Und ich mag Klartext.

 

Das habe ich alles in den letzten Wochen bekommen. Und bin dankbar.

 

Wer meine Posts schon längere Zeit verfolgt, weiß, dass ich auch schon andere Erfahrungen gemacht habe…

 

 

 

Weniger erfreulich dann der heutige Kontakt (übernahm meine Claudia, da ich so schwer zu verstehen bin) mit der Krankenkasse:

 

Sie wollen die Krankenbeförderung nicht übernehmen.
Bocholt wäre zu weit entfernt, Coesfeld würde bezahlt werden.

Ich habe mir die behandelnden Kliniken ja nicht selbst ausgewählt, sie wurden vom Krankenhaus aus guten Gründen vorgeschlagen. Und das habe ich akzeptiert. Und jetzt läuft die Behandlung an und die werfen mir Steine auf dem Weg?
Und by the way: Bocholt ist nur ne zehn Kilometer längere Fahrtstrecke als Coesfeld.

 

Eine Baustelle, die ich nicht brauche, aber klären werde.

 

Und der dreiste Vorschlag der Krankenkassenangestellten an meine Frau, dann solle halt sie mich immer fahren, ist dermaßen unverschämt, da wird es noch ein Nachspiel geben.

 

In meiner damaligen Zeit als Krankenpfleger im ambulanten Dienst musste ich mich öfters mit Kassen streiten.

 

Beinahe habe ich da jetzt sogar Bock drauf, bloß zu wenig Energie…

 

 

 

Am Wochenende bekomme ich Besuch von alten Freund*innen. Und freue mich tierisch. Auch wenn es anstrengend sein wird.
Ich werde versuchen, das nicht als Abschied, sondern einfach als Treffen zu feiern.
Und so wird es weitergehen.

 

Drückt uns mal die Daumen…

 

 

 

Freund*innen und Bekannte nehmen Anteil, bieten Hilfe an und das tut einfach gut.

 

Ich habe heute einen Schutzengel geschenkt bekommen.
Ich kann gar nicht genug Schutzengel haben: Sie leisten Überstunden, schon mein ganzes Leben lang.

 

Der heutige Schutzengel steht jetzt auf meinem Schreibtisch. Und wird mich die nächsten Monate begleiten.
Ich hoffe, ich überfordere ihn nicht.

 

 

 

Ich wollte ja noch mindestens ein Buch schreiben.
Zwischenzeitlich dachte ich, dass eine Kurzgeschichte auch okay wäre.
Oder ein Gedicht. Vielleicht ein Haiku.

 

Heute tendiere ich wieder zu einem Buch, vielleicht ja sogar noch mehrere Bücher.
Aber wahrscheinlich werde ich erst nach der Therapie daran arbeiten.

 

 

 

Dieser ganze Text ist so lang, weil es einfach so viel ist, was da passiert.
Die Schwiegermutter mit Alzheimer, unsere Hunde, das Leben und überhaupt habe ich jetzt ja sogar ausgeklammert.

 

Wichtig ist:
Auch wenn ich die letzten Jahre gesagt habe, ich lasse nichts mehr machen und wenn dann noch was kommt, dann kommt es eben und tschüss
– Nee!

 

Ich lasse mich nochmal auf eine Therapie ein.

 

Ich hab auch kaum eine Alternative, da die Schmerzen zunehmen und ich (noch) keinen Bock auf eine palliative Opiattherapie habe, die meine Lebenserwartung extrem beschränken würde.

 

Es ist noch nicht vorbei, Ü-60 (in anderthalb Jahren) sind die neuen Ü-30 und vielleicht kann ich ja noch über Ü-60 jammern.

 

 

 

Ich werde weiterhin berichten. Hab keine Ahnung, in welchen Abständen oder was. Vielleicht ist es ja irgendwann auch wieder was Nettes oder Musiklaberei oder sogar Poesie.

 

We will see.

 

 

 

Ich liebe euch alle.

 

 

 

Hab ich heute eigentlich schon „Aua“ gesagt?

 

 

 

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